Die Geschichte

Jutta Stadach

1855 gab es eine juristische Auseinandersetzung, nachdem der Besitzer der Badeanstalt Otte zwei Wakenitzfischer mit Brüggelsteinen beworfen hatte. Der beschuldigte die Fischer hingegen, wenn Damen baden würden mit ihren Netzen das Wasser zu trüben und unbescheiden in die Badeanstalt zu sehen. Über den Ausgang ist uns nichts bekannt.
Ende des 19. Jahrhunderts berichteten die “Vaterstädtischen Blätter” über Erfahrungen, die in Berlin mit den neu eingerichteten Badeanstalten gemacht wurden: “… Für die vorherige Reinigung der Badenden dienen zwei geräumige Seifzellen, welche reichlich mit Kopfstahl- und Sitzbrausen ausgestattet und an die Stehende Wasserleitung angeschlossen sind. Höchst nachahmenswert wären bei uns die Reinigungsräume…”
1890, der 20. Juni 1890: die Badeanstalt Falkenwiese wird eingeweiht.
19 Jahre später stellten die Vaterstädtischen Blätter fest: “Mit dem Beginn dieses Sommers ist eine erweiterte Badeanlage an der Falkenwiese ihrer Bestimmung übergeben, deren starke Nutzung beweist, einem wie großen Bedürfnis ihre Errichtung entsprochen hat.” …

“Die frühere Badeanstalt, das jetzige Frauenbad, wurde im Juni 1899 im Zusammenhang mit der Belegung der neuen Kasernements auf Marli erbaut und diente abwechselnd dem Militär und dem männlichen Publikum bis zum Jahre 1904. Mit der Errichtung der Marli Badeanstalt 1905 verlegte das Militär seine Schwimmübungen ausschließlich nach der Badeanstalt.”
Das Bad Falkenwiese stand also ganztags dem Zivilpublikum zur Verfügung. Das bestand damals nur aus Männern, bis: “Die in der Presse und den Vorstadtvereinen laut gewordene und berechtigte Klage, dass unserer weiblichen Bevölkerung keine Freibadeanstalt zur Verfügung stehe, führten dazu, vom 11. Juni 1907 an die Falkenwiesen-Anstalt Badestunden für weibliche Personen einzurichten.”
Das Bad wurde gut besucht. Zu gut. Zu Beginn der Badezeit für Herren um 17.00 Uhr waren es teilweise hunderte von Besuchern. 1909 musste diesem Andrang durch den Bau eines neuen Bassins Rechnung getragen werden.

Der Name

“Falkenwiese” ist im Urkundenbuch der Hansestadt belegt: Im Mittelalter hegte man “in der freien Gegend vor dem Hüxtertor Jagdfalken”, die ein wertvolles Handelsgut waren. Im Niederstadtbuch von 1378 wird berichtet, dass Falken aus Lübeck nach Nürnberg und Venedig verkauft wurden.

Der Denkmalschutz

Das Bad Falkenwiese ist die einzige Lübecker Flussbadeanstalt, die im Wesentlich so erhalten ist, wie sie in der Gründungszeit gebaut wurde. Die Badeanstalt ist ein herausragendes Beispiel der Bäderarchitektur des 19. Jahrhunderts und ein lebendiges Zeugnis der Badekultur jener Zeit.



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